Die Fachhochschulreife berechtigt dich zu einem Studium an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschulen). In Baden-Württemberg gibt es verschiedene Möglichkeiten, diesen Abschluss entweder rein schulisch oder in Verbindung mit einer beruflichen Qualifikation zu erwerben.

Duale Berufsausbildung

Duale Ausbildungen finden zum überwiegenden Teil in einem Betrieb, einer Institution oder einem Unternehmen statt. Neben der praktischen Arbeit finden Unterrichtseinheiten in einer Berufsschule statt. Die Gesamtdauer beträgt, je nach Ausbildungsberuf und Vorerfahrung, zwischen zwei und dreieinhalb Jahren und wird in den meisten Fällen entlohnt.

Duale Ausbildungen werden in folgenden Bereichen angeboten:

  • im Handwerk
  • in Industrie und Handel
  • im Dienstleistungsbereich
  • in der Landwirtschaft
  • bei Freiberuflern (z.B. Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten oder Steuerberatern)
  • im Öffentlichen Dienst

Leistungsstarke und engagierte Auszubildende können parallel zur Ausbildung die Fachhochschulreife erwerben. Dieses Angebot erhöht die Attraktivität einer dualen Ausbildung für Schülerinnen und Schüler mit einem guten mittleren Bildungsabschluss. Jugendliche, die sich für diesen Weg entscheiden, können so im Anschluss an die Schulausbildung schon innerhalb von drei Jahren eine Doppelqualifikation – einen beruflichen und gleichzeitig einen höheren allgemein bildenden Abschluss – erreichen.

Berufskolleg

Berufskollegs vermitteln Jugendlichen mit mittlerem Bildungsabschluss, gegebenenfalls über Zusatzunterricht und Zusatzprüfung, berufsqualifizierende Inhalte und die Fachhochschulreife. Bestimmte Berufskollegs haben einen qualifizierten Berufsabschluss zum Ziel. Das einjährige Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife (2. Bildungsweg) bietet nach Abschluss einer Berufsausbildung die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres die Studierfähigkeit zu erlangen.

Praxiserfahrung

Nach dem erfolgreichen Abschluss der 11. Klasse (G8) bzw. der 12. Klasse (G9) an einem allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasium kann, ohne den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, eine Fachhochschulreife beantragt werden. Voraussetzung dafür ist neben den schulischen Leistungen der Nachweis einer fachpraktischen Vorbildung. Diese kann erworben werden durch:

  • eine mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf
  • eine mindestens zweijährige schulische Berufsausbildung
  • eine mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis
  • ein mindestens einjähriges Praktikum oder
  • ein freiwillig abgeleistetes soziales oder ökologisches Jahr, den Wehr- oder Wehrersatzdienst oder den Bundesfreiwilligendienst oder
  • eine förderliche Berufserfahrung, wobei der erfolgreiche Besuch einer beruflichen Vollzeitschule bis zu einem Jahr angerechnet werden kann; in Zweifelsfällen entscheidet das Regierungspräsidium

Kolping-Kolleg

Das Kolping-Kolleg ermöglicht Erwachsenen mit mittlerem Bildungsabschluss den Erwerb der Fachhochschulreife im zweijährigen Vollzeitunterricht. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Das Modell ist speziell auf das Lernen im Erwachsenenalter zugeschnitten und bietet durch die Vollzeitform oft die Grundlage für eine Förderung durch elternunabhängiges BAföG, um im Anschluss an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) zu studieren.